Position zur Digitalisierung der Schulen

    Der Förderverein “Realschule Baden-Württemberg – so real ist Schule e.V.“ bezieht Position zur Digitalisierung der Schulen:

     

    Die Digitalisierung der Schulen Baden-Württembergs ist ausbaufähig – dies zeigt sich insbesondere in Krisenzeiten wie dieser. So fehlt es vielerorts an den Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches E-Learning und eine funktionierende Kommunikation zwischen Schülerinnen und Schülern,  Eltern und Lehrkräften. Ursache hierfür sind meist zu langsame Datenübertragungsraten. Deutschland kommt im Glasfaserausbau nur sehr schleppend voran und belegt laut OECD im Vergleich zu anderen europäischen Ländern einen der hinteren Plätze. Im Juni 2019 betrug der Anteil an Glasfaseranschlüssen nur 3,6% gemessen an allen Breitbandanschlüssen. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland somit noch immer weit hinter Ländern wie Kolumbien, Chile, der Türkei oder Litauen zurück. Der Förderverein Realschule Baden-Württemberg e. V. fordert deshalb einen zügigen Ausbau der benötigten Infrastruktur durch Bund, Länder und Kommunen – insbesondere den zeitnahen Anschluss aller Schulen an ein stabiles, sicheres und schnelles Glasfasernetz, das eine störungsfreie Kommunikation, Datenaustausch sowie Videokonferenzen ermöglicht.

    Der DigitalPakt Schule muss zeitnah und ohne bürokratische Hürden umgesetzt werden, damit Schulen auch in Krisensituationen handlungsfähig bleiben.  

    Während in nahezu allen Unternehmen PCs, Laptops oder Tablets vom Arbeitgeber gestellt werden, muss sich die beim Land beschäftigte Lehrkraft sein Endgerät für schulische Aufgaben selbst kaufen, um auch von zu Hause aus Unterricht vorbereiten oder Videokonferenzen durchführen zu können. Dabei ist auf die strikte Einhaltung des Datenschutzes zu achten – ein Widerspruch in sich. Der Förderverein Realschule Baden-Württemberg e.V. macht darauf aufmerksam, dass im Privatbesitz befindliche Geräte aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht für den schulischen Bereich eingesetzt werden können, da hierbei weder eine Trennung der beruflichen und der privaten Daten zu gewährleisten ist, noch aus selbigem Grunde eine Kontrolle der Einhaltung des Datenschutzes durch die Schulleitung erfolgen kann. Ebenso sehen wir die Möglichkeit nicht gegeben, Arbeitnehmer zur Anschaffung eines datenschutzkonformen Neugeräts zu verpflichten, wenn das Betriebssystem oder die Software Sicherheitslücken aufweist. Es ist deshalb Aufgabe des Dienstherrn, seine Arbeitnehmer mit der für die Arbeit notwendigen Hardware auszustatten.

    Die Übernahme der Verantwortung des Datenschutzes durch Schulleitungen und Datenschutzbeauftragte ist in Zeiten der Digitalisierung schwierig, um nicht zu sagen nahezu unmöglich. Wie soll eine Schulleitung beurteilen können, in wieweit Cloud-Lösungen, Konferenzprogramme oder Lernsoftware eine Konformität zur Datenschutz-Grundverordnung gewährleisten? Der Förderverein Realschule Baden-Württemberg sieht hier den Dienstherrn und nicht die Schulleitungen in der Verantwortung. Nach dem Scheitern der Austauschplattform Ella muss nun zeitnah eine funktionale, praktikable und verlässliche Plattform für das Bildungssystem des Landes gefunden werden.

    Die Forderung nach Homeschooling ist bei notwendigen Einschränkungen des Präsenzunterrichts berechtigt. Jedoch berücksichtigt diese nicht die fehlende Grundausstattung der Schülerinnen und Schüler. So spiegelt der Erfolg des Homeschoolings nicht selten die soziale Herkunft der Kinder wider. Es fehlt nicht selten an funktionsfähigen Endgeräten, Druckern, der nötigen Software oder gar am Internetanschluss. Der Förderverein Realschule Baden-Württemberg e.V. macht sich darum für eine verlässliche digitale Grundausstattung der Kinder und Jugendlichen stark. Diese sollte zukünftig Bestandteil der Lehr- und Lernmittelfreiheit werden.   

     

    Die Vorgaben des Bildungsplans erfordern eine angemessene Grundausstattung der Schulen mit PCs, Laptops oder Tablets. Neben den stark frequentierten Computerräumen müssen daher Möglichkeiten geschaffen werden, dezentral an mobilen Geräten zu arbeiten. Jedes Kind und jeder Lehrer braucht auf Dauer sein eigenes Gerät. Mit der Änderung der Ausschüttung der Bundesgelder ohne MEP, bzw. im Nachhinein, muss die Beschaffung und Finanzierung jetzt schneller vonstattengehen. Wir begrüßen den Abbau dieser bürokratischen Hürde.

    Neben der Anschaffung von Geräten für den PC-Raum und die Klassenzimmer muss eine professionelle Wartung der Ausstattung gewährleistet werden. Die Lehrkräfte, die diese Arbeit vor Ort leisten, sollten eine umfangreichere Unterstützung erhalten, als in der gegenwärtigen Situation. Der Förderverein Realschule Baden-Württemberg e.V. fordert, dass in Zukunft sichergestellt ist, dass die Wartung von PCs und Laptops und die daraus ergebenden Dienstleistungen kontinuierlich und über Unterstützung von professionellen Administratoren durchgeführt werden und so die Aktualität und Funktionalität von Geräten und Netzwerken erhalten bleiben.

    Auch kann die Arbeitszeit des schulischen Systembetreuers nicht mit lediglich zwei gedeckelten Unterrichtsstunden auf das Deputat angerechnet werden. Die Realität zeigt, dass ein Vielfaches dieser Arbeitszeit für die Systembetreuung an mittelgroßen und größeren Schulen benötigt wird.
    Wir fordern darum eine realistische Neuberechnung und somit eine Aufstockung der Ermäßigungsstunden für die Systembetreuung.

    Eine Ungleichbehandlung der Schularten sieht der Förderverein Realschule Baden-Württemberg im Bereich der Unterrichtsangebote für Schülerinnen und Schüler. Zum Schuljahr 2019/2020 können auch die Gemeinschaftsschulen das Profilfach IMP mit anbieten (Umfang in Rahmen der Kontingentstundentafel: 8 Unterrichtsstunden). Es gelten die gleichen Voraussetzungen wie für die allgemein bildenden Gymnasien. An Realschulen und Haupt-/Werkrealschulen wurde das Wahlfach Informatik eingeführt. Zur Umsetzung sind hierfür in der Kontingentstundentafel lediglich drei Unterrichtsstunden vorgesehen. Der Förderverein Realschule e.V. sieht in dieser geringen Zuwendung eine Benachteiligung der Real-, Haupt-, und Werkrealschüler/-innen und fordert, um eine Chancengleichheit zu gewährleisten, eine Erweiterung der vorgesehenen Stunden für das Wahlfach Informatik.

     

     

  • Position zur Digitalisierung der Schulen - September 2020